Fütterung Traditionelle Chinesische Medizin Pferd

Fütterungstipps aus der Traditionellen Chinesischen Medizin

Da ich oft gefragt werde, welche Kräuter man seinem Pferd füttern kann, um es im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin zu unterstützen, habe ich mir überlegt, einen Beitrag zu diesem Thema zu verfassen.

Alle Kräuter haben, sowohl in der fernöstlichen als auch in der alternativen westlichen Medizin, eine spezielle Wirkung. Dessen müssen wir uns bewusst sein, wenn wir unserem Pferd Kräuter anbieten. Sie sollten immer abgestimmt sein auf die individuellen Bedürfnisse des Pferdes!

Die Phytotherapie, also die Kräuterlehre der TCM, ist eine Wissenschaft für sich. Chinesen verschreiben Kräutermischungen so, wie Schulmediziner Antibiotika und Schmerzmittel. Medizinische Kräutermischungen bestehen meistens aus mindestens drei Einzelkräutern, die sich gegenseitig beeinflussen. Dazu gehört zum Beispiel das Kaiserkraut: Es ist der wichtigste Bestandteil der gesamten Mischung und hat die Aufgabe, Krankheitssymptome zu lindern. Das Ministerkraut unterstützt das Kaiserkraut dabei. Dann gibt es noch das sogenannte Helferkraut. Es hat die Aufgabe, unerwünschte Nebenwirkungen der anderen Kräuter zu neutralisieren. Zuletzt gibt es noch das Botenkraut. Es hilft den anderen Kräutern dabei, dort wirken zu können, wo sie benötigt werden.

Die Zusammensetzung der einzelnen Bestandteile ist so individuell wie unsere Pferde. Daher kann einer Empfehlung verschiedener Kräutermischungen nur nach einer  ausführlichen Untersuchung durch einen Tierheilpraktiker oder Tierarzt erfolgen. Die Phytotherapie verlangt eine gute Kenntnis über alle Komponenten. Denn nur so kann die richtige Medizin für das Pferd hergestellt werden!

Ihr seht, die Gabe von Kräutermischungen hat die gleiche Wirkung wie die Gabe von herkömmlichen Medikamenten. Daher sollte bei Problemen auf jeden Fall ein Tierarzt oder Heilpraktiker zu Rate gezogen werden.

Da aus Sicht der TCM die Ernährung ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit und zum Wohlbefinden des Pferdes leistet, möchte ich euch nun ein paar Tipps zur Fütterung geben. Diese Fütterungstipps eignen sich  zur Unterstützung der fünf verschiedenen Pferdetypen und wirken ausgleichend.

Durch das Futter nimmt das Pferd wichtige Energie zu sich, nämlich das sogenannte Gu-Qi. Dabei handelt es sich um eine angeworbene Form von Energie, die sich von der im Körper existierenden Energie im Körper unterscheidet.  Mit jedem Bissen, den das Pferd zu sich nimmt, werden die Energie-Leitbahnen und auch die Funktionskreise der Organe beeinflusst.

Futter bietet uns eine wunderbare Möglichkeit, unsere Pferde auch je nach Jahreszeit zu unterstützen. So schaffen warmes Wasser  oder lauwarm verfüttertes Mash ein wohlig warmes Gefühl im Winter.

Verschiedene Futtermittel haben unterschiedliche Eigenschaften. Sie können den Körper kühlen, wenn zu viel Energie vorhanden ist oder wärmen ihn, wenn das Pferd kälteempfindlich ist und unter einem Energiemangel leidet. Einige davon möchte ich euch in diesem Artikel noch vorstellen.

Auch die Verarbeitung des Futters spielt eine Rolle: Bei Müsli und Co gilt: Je weniger es in der Herstellung bearbeitet wurde, desto besser ist das Futter für das Pferd. Ein Beispiel: Pellets befinden sich in fast jedem Futter. Bei der Herstellung wurde den Zutaten Feuchtigkeit entzogen, meistens werden sie unter Wärmeeinwirkung gepresst. Aus  Sicht der TCM passiert im Pferdekörper folgendes, wenn es Pellets frisst: Durch die trockene Konsistenz wird dem Körper Feuchtigkeit entzogen, da diese dazu verwendet wird, die Pellets verdaulich zu machen. Zudem erzeugen die Pellets eine innere Hitze. Grundsätzlich ist es so, dass jede industrielle Bearbeitung von Zutaten eines Pferdefutters die Energieaufnahme mindert. Dazu gehört zum Beispiel das Pressen von Pellets und Leckerchen.

Als Faustregel gilt: Je höher die Qualität des Futters ist, desto hochwertiger ist auch die Energie, die das Pferd zu sich nimmt. Da die Ernährung unserer Pferde in erster Linie aus Rauhfutter, also Heu, bestehen sollte, ist auch die Qualität des Heus von großer Bedeutung. Ein gutes Heu erkennt man an seiner schönen grünen Farbe, an seinem lockeren Griff und gutem Geruch. Das es frei von Staub, Verunreinigungen und Schimmel sein sollte, steht außer Frage.

Kräuter als Bestandteil einer naturnahen Fütterung

Kräuter gehören zum natürlichen Bestandteil der Pferdeernährung. Deshalb können einzelne Kräuter, abgestimmt auf die Bedürfnisse des Pferdes, problemlos verfüttert werden. Allerdings sollte eine Kräutergabe immer kurweise gefüttert werden, damit sich der Körper nicht an die Wirkung der Kräuter gewöhnt. Es bietet sich deshalb an, nach vier bis spätestens sechs Wochen andere Kräuter anzubieten. Im Sinne der TCM liefert eine Fütterung von frischen Kräutern die beste Energie. Allerdings ist die Fütterung von frischen Kräutern nicht immer umzusetzen: Nicht alle Kräuter stammen aus hiesigen Gefilden, andere gibt es grundsätzlich nicht frisch zu kaufen. Und auch die Haltbarkeit von frischen Kräutern ist begrenzt, weshalb man auch auf getrocknete Kräuter zurückgreifen kann.

Es kann vorkommen, dass das Pferd das ein oder andere Lebensmittel bzw. Kraut nicht fressen möchte. Da Pferde sehr gut wissen, was gut für sie ist, liegt das Verschmähen des Futters nicht immer daran, dass das Pferd verwöhnt ist. Vielmehr wird es die Wirkung des Futters nicht brauchen und frisst es deshalb nicht.

Futtertipps für Lebertypen/Frühjahr

Über die Eigenschaften des Leber- bzw. Gan-Typen könnt ihr euch in diesem Artikel informieren.

Beim Leber-Typen sollte auf die Fütterung von pelletiertem Futter komplett verzichtet werden. Eine typische Eigenschaft ist nämlich die Trockenheit im Körper, die durch die Pellets noch verstärkt wird.

Obstessig und junger Löwenzahn stärken die Leberenergie, ebenso wie Birkenblätter im Frühjahr.

Um die Leber zu unterstützen kann man außerdem Leinsamen , frischen Ingwer, Basilikum, Minze oder Rosmarin anbieten. Leinsamen sollte man am besten geschrotet verfüttern, damit der Körper alle wichtigen Inhaltsstoffe aufnehmen kann.

Karotten und Rote Beete entspannen die Leber und dürfen deshalb auch in kleinen Mengen verfüttert werden.

Bei allen Zutaten gilt: Immer nur in Maßen verfüttern! Bei den Kräutern reichen ca. drei Esslöffel, beim Leinsamen etwa 50g.

Vor allem im Frühjahr können wir  die Leberenergie mit den empfohlenen Futtermitteln stärken.

Ernährungstipps für den Herz-Typ/Sommer

Hier geht es zu den Eigenschaften des Herz-Typen

Um die Herze-Energie zu stärken bietet sich die Fütterung von Basilikum, Rosmarin und Thymian an.

Da man bei Herz- bzw. Xin-Pferden zwischen negativen und positiven Typen unterscheidet, beruhigt man negative Herz-Pferde, indem man ihnen zum Beispiel grünen Tee anbietet. Negative Xin-Pferde sind hysterisch, panisch und kopflos. Der positive Herz-Typ hingegen besticht durch seine Lebensfreude und seinen Humor. Da nicht alle Pferde aufgebrühten Tee trinken möchten, ist es auch möglich, ihn über beliebte Futtermischungen zu gießen. Vorsicht bei Turnierpferden: Grüner Tee kann einen negativen Doping-Test hervorrufen.

Als Futterergänzung eignen sich Möhren oder Birnen, sie leiten genauso Hitze aus wie verschiedene Kräuter. Dazu gehören Brennnessel, Löwenzahn und Lavendel.

Um das Herz zu beruhigen eignet sich die Fütterung von Ringelblumenblüten, Wiesenkleeblüten oder Lindenblüten.

Auch beim Herz-Typen sollte auf pelletiertes Futter verzichtet werden, da dieses weitere Hitze erzeugt.

Futtertipps für den Milz-Typ/Spätsommer

Weizen gehört zwar nicht zu den typischen Getreidesorten, die im Pferdefutter verarbeitet werden, er ist aber trotzdem hin und wieder im Futter zu finden. Da er die Eigenschaft hat, energetisch kalt zu sein, sollte auf eine Fütterung beim Milz- bzw. Pi-Typen verzichtet werden. Man findet diese Getreideart vor allem in getrocknetem Brot. Das ist zwar grundsätzlich kein geeignetes Futter für Pferde, aber gerade beim Pi-Typen richtet es noch einmal mehr Schaden an.

Um die Mitte des Milz-Pferdes zu stärken eignet sich die Fütterung von Äpfeln und Birnen. Vor allem im Spätsommer, der Jahreszeit, die zur Wandlungsphase Erde und damit zum Milz-Typen gehört, kann das Pferd durch die Fütterung von Kümmel, Kamille oder Süßholz unterstützt werden. Als Rauhfutter eignen sich vor allem Luzerne, die in kleinen Mengen gefüttert werden. Es reicht etwa eine Handvoll der Kleeart, um eine Wirkung zu erzielen.

Das Milz-Pferd leidet vor allem bei feuchtwarmem Wetter. Sie reagieren bei dieser Wetterlage gerne mit Durchfall und extremer Müdigkeit. Abhilfe verschaffen Kräuter wie Löwenzahn oder Minze.

Aber auch Kälteeinbrüche in späten Sommermonaten bekommen dem Pi-Typen nicht gut. An diesen kalten Tagen kann man Oregano oder Basilikum füttern, um das Pferd von innen zu wärmen.

Fütterungstipps für Lungen-Typen/Herbst

Da der Lungen oder Fei-Typ oft auch dem alten Pferd entspricht, sind die folgenden Futtertipps auch geeignet, um alte Pferde zu stärken.

Um die Energie der Lunge zu stärken kann man Rote Beete, Möhren oder Hafer und Mais füttern.

Um das Pferd der Jahreszeit entsprechend zu unterstützen bietet sich eine Fütterung von Löwenzahnwurzeln, Isländisch Moos , Spitzwegerich oder Lindenblüten an. Der Herbst ist die Jahreszeit, in der sich die Energie langsam zurück zieht und bewahrt werden muss. Diese Kräuter helfen dabei.

Kommt es im Herbst zu Kälteeinbrüchen, kann man sein Pferd mit Ingwer, Thymian  oder Salbei vor Infekten schützen.

Fütterungstipps für den Nieren-Typen/im Winter

Der Nieren- bzw. Shen-Typ entspricht, wie der Lungen-Typ, ebenfalls dem alten Pferd.

Da diese Pferde besonders empfindlich sind, wenn es sehr kalt ist, sollte man gerade an frostigen Tagen lauwarmes Mash verfüttern. Dieses kann man sehr leicht selber herstellen. Man braucht dazu nur Haferflocken, geschroteten Leinsamen und die typgerechten Kräuter. Dazu gehören Rosmarin und Thymian, aber auch Blätter vom Brombeerstrauch. Regeneriert sich das Pferd nach einer anstrengenden Krankheit eignen sich außerdem Sesam und Mariendistel. Zusätzlich kann man Möchspfeffer füttern. Dieser hat zudem die Funktion, ausgleichend bei hormonellen Störungen zu wirken, die typisch für Shen-Typen sind.

Das Mash ist sehr schnell selbst zubereitet. Dazu werden 50 g Leinsamen etwa 20 Minuten geköchelt. 250 g Haferflocken werden mit heißem Wasser übergossen. Die Flocken ziehen nun so lange, bis ein Brei entsteht. Anschließend den Leinsamen und die Kräuter unterrühren und fertig ist das Mash. In einer geeigneten Dose bleibt es recht lange warm, ansonsten kann man kurz vor dem Verfüttern noch einmal etwas warmes Wasser unterrühren.

Alle Tipps beziehen sich nicht nur auf die verschiedenen Pferdetypen, sondern können entsprechend der fünf Wandlungsphasen auch zu den angegebenen Jahreszeiten – unabhängig vom Typ- gefüttert werden.

Ihr seht, der Chinese ist was er isst 😉 Ich bin sehr gespannt, wie eure Pferde auf die Futtertipps reagieren. Berichtet mir gerne von euren Futter-Erlebnissen.

 

 

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