Longieren Pferd

Longieren: Tipps für eine feinere Kommunikation und mehr Abwechslung

Longieren kann Fluch und Segen zugleich sein. Richtig angewendet trainiert die Arbeit an der Longe wichtige Muskelpartien und schafft eine Grundlage dafür, dass das Pferd uns lange und gesund tragen kann.

Das Longieren kann für verschiedene Zwecke eingesetzt werden. Es stärkt die Muskulatur und fördert die Kondition. Außerdem entspannt lockeres Laufen auf einem großen Zirkel die Muskulatur. Grundsätzlich ist es eine gute Korrekturmöglichkeit, denn das Pferd lernt neue Bewegungsmuster leichter ohne Reitergewicht. So kann man an der Longe wunderbar daran arbeiten, dass das Pferd mit einer aktiven Hinterhand und einem aufgewölbten Rücken läuft.

Doch das Longieren bietet nicht nur Vorteile. Falsch angewendet oder als nette Trainingseinheit für Zwischendurch unterschätzt können sich schnell Fehler einschleichen. Das klassische Longieren zum Beispiel erschwert es, einen Dialog mit dem Pferd einzugehen. Dabei stehen wir auf einem festen Punkt in der Mitte des Zirkels, das Pferd läuft auf einer gleichbleibenden Linie um uns herum. Pferd, Longe und Peitsche bilden ein gedachtes Dreieck. Wir Menschen bleiben dabei oft passiv, während das Pferd Runde für Runde um uns herum läuft. Stellen wir uns einmal vor, wir würden unsere Joggingrunde oder eine Wanderung auf eine Laufbahn verlegen, dann können wir uns vorstellen, wie eintönig es für das Pferd ist für eine längere Zeit im Kreis zu laufen.

Um Haltungsfehler beim Pferd zu erkennen und zu vermeiden benötigen wir ein geschultes Auge. Wir müssen erkennen können, ob das Pferd ordentlich gebogen ist. Die richtige Biegung erstreckt sich über die gesamte Wirbelsäule. Manche Pferde „mogeln“ auch, indem sie nur ihren Kopf und ihren Hals ein wenig in die Zirkelmitte biegen und der Rest der Wirbelsäule gerade bleibt. Außerdem müssen wir zum Beispiel darauf achten, dass die Hinterhand des Pferdes aktiv unter tritt. Longieren ist keinesfalls so leicht, wie es erscheint. Es ist eine Herausforderung für Mensch und Pferd.

Mehr Abwechslung und eine feinere Kommunikation erreicht ihr mit diesen Tips:

  1. Entferne Dich vom klassischen Longieren!

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es ist immer gut, wenn man ein Pferd auch auf Distanz lenken und führen kann. Gerade aus der Entfernung hat man eine gute Sicht auf die Bewegungsabläufe des Pferdes. Wir sollten uns aber nicht darauf beschränken, festgewurzelt in der Mitte des Zirkels stehen zu bleiben und dort den Reitplatzboden zu verdichten. Probiere aus, wie verschiedene Körperhaltungen und Standorte auf Dein Pferd wirken und entwickle darauf körpersprachliche Signale für Tempowechsel, Handwechsel oder zum Halten.

  1. Variiere den Longierzirkel.

Verwende die unterschiedlichen Zirkel, die die Reitbahn bietet. Und lasse Dein Pferd hin und wieder eine oder mehrere lange Seiten geradeaus gehen. Das Laufen auf der gebogenen Linie ist sehr anstrengend für Pferde. Deshalb werden sie eine Runde um die ganze Bahn in gerader Haltung dankbar annehmen. Der Wechsel zwischen Biegung und Geradestellung ist eine willkommene Entspannung für Muskelpartien.

  1. Gebe Deinem Pferd Pausen!

Dein Pferd lernt gerade erst auf gebogenen Linien zu laufen? Du nutzt die Arbeit an der Longe für den weiteren Muskelaufbau? Dann plane regelmäßig Pausen ein. Dabei darf das Pferd in der Körperhaltung laufen, die es als angenehm empfindet. Neue Bewegungsmuster beanspruchen andere Muskelpartien, die langsam und schonend aufgebaut werden müssen. Eine Pause an der richtigen Stelle ist zudem ein Lob und motiviert das Pferd. Werden schwach ausgeprägte Muskeln zu lange beansprucht wird das unangenehm für das Pferd. Die richtige Mischung aus Anspannung und Entspannung macht es aus!

  1. Setze Deine Körpersprache ein!

Hin und wieder sieht man Menschen, die beim Longieren teilnahmslos in der Mitte stehen, ab und zu mit der Peitsche wedeln und ein Stimmkommando geben. Ein Dialog sieht anders aus. Um mit dem Pferd zu kommunizieren müssen wir auf unsere Körpersprache achten. Stehen wir auf einer gedachten Linie hinter dem Pferd, der Blick Richtung Pferdekopf gewendet, so wirken wir treibend. Bewegen wir uns vor dem Pferd und drehen unseren Körper so ein, dass wir dabei zur Kruppe des Pferdes schauen, hat das parierende Wirkung. Auch unsere eigene Körperspannung überträgt sich auf das Pferd. Ein entspannter Körper mit leicht angewinkelten Knien signalisiert dem Pferd, dass es alles richtig macht. Anspannung hingegen vermittelt dem Pferd, dass es aufpassen muss.

  1. Longiere so, dass Du die Longe eigentlich nicht benötigst!

Die Longe, an einem Kappzaum befestigt, ist ein gutes Hilfsmittel, um dem Pferd Stellung und Biegung zu vermitteln. Sie ist jedoch nicht dazu da, um das Pferd durch Halten zu bremsen und durch das locker lassen zu treiben. Nutze für Tempounterschiede und Handwechsel Deine Körpersprache oder unterstütze durch festgelegte und gleichbleibende Stimmkommandos. Nutze die Arbeit an der Longe, um die Kommunikation zwischen Dir und Deinem Pferd zu verbessern. Die Longe ist dabei nur eine leichte Verbindung.

  1. Schaffe Reize am Boden

Hütchen, Stangen und Dualgassen sind eine tolle Möglichkeit um Abwechslung in die Arbeit an der Longe zu bringen. Sie schaffen neue Reize und unserer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wie wäre es, das Pferd im Slalom um Hütchen zu Longieren? Dabei könnt ihr trainieren, das Pferd von euch wegzuschicken und es wieder heran zu holen. Eine Gasse aus Stangen kann zum Beispiel in Geraderichtung durchlaufen werden, um danach wieder in eine Biegung zu wechseln. Dieser Wechsel lockert das Genick.

  1. Immer schön die Richtung ändern!

Jedes Pferd hat eine starke und eine schwache Hand. Longieren kann dabei helfen, ein Gleichgewicht zwischen beiden Körperhälften herzustellen. Die bessere Hand lädt dazu ein, neue Bewegungsmuster zu erlernen. Danach kann die Übung auf die schwächere Hand übertragen werden. Die schwächere Hand sollte jedoch nicht übermäßig belastet werden. Das würde schnell zu einer Überanstrengung und Überforderung führen. Daher sollte die schwächere Körperhälfte immer langsam und schonend aufgebaut werden.

Handwechsel bringen Abwechslung ins Spiel! Sie können so verfeinert werden, dass das Pferd allein durch unsere Körpersprache die Richtung ändert. Zählt einmal die Runden, die euer Pferd auf einer Hand läuft. Nach etwa 7-8 Runden sollte ein Handwechsel stattfinden. Übrigens: Geregelte und häufige Handwechsel erhöhen die Spannung und machen träge Pferde aktiver!

  1. Von null auf hundert und zurück.

Viele Übergänge zwischen den Gangarten sorgen für eine aktive Hinterhand und stärken deren Muskulatur. Außerdem sind sie eine gute Übung, um das Pferd mit der eigenen Körpersprache zu bewegen. Zur Erinnerung: Gegenläufige Bewegungen, also ein Eindrehen des eigenen Körpers gegen die Bewegungsrichtung, wirken parierend. Bewegen wir uns hinter dem Pferd und spannen unseren Körper an, haben wir treibende Wirkung.

Auch beim Wechsel zwischen den Gangarten gilt: Je häufiger sie angewendet werden, desto aktivierender wirken sie auf das Pferd. Viele Übergänge machen faule Pferde munter!

Ihr seht, auch in der Arbeit an der Longe sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Das Training kann individuell an die Bedürfnisse des Pferdes angepasst werden. Setzen wir bewusst unsere Körpersprache ein, beeinflussen wir die Beziehung zu unserem Pferd positiv und trainieren dabei noch wichtige Muskeln unseres Pferdes. Für zufriedene, entspannte und motivierte Pferde.

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