Kontrollzyklus TCM Pferd

Das Pferd leidet unter einer Atemwegserkrankung. Dann scheint es ja auf der Hand zu liegen, dass der Funktionskreis der Lunge betroffen ist. Warum aber nicht immer die Ursache nur im Funktionskreis der Lunge zu finden ist, darum soll es in diesem Artikel gehen gehen.

Außerdem beleuchten wir die Ursache-Folge-Ketten aus Sicht der TCM einmal genauer. Dieses Wissen hilft, Krankheiten bei der Wurzel zu packen und die Gesundheit des Pferdes nachhaltig zu steigern.

Beginnen wir mit den Fallbeispielen:

Pferd 1, Wallach, bereits Anfang 20. Vom Tierarzt diagnostizierte RAO. Der Husten tritt hauptsächlich im Sommer auf. Beim Erstgespräch stellt sich heraus, dass das Pferd koppt. Das Pferd wirkt sehr ruhig und in sich gekehrt und leidet unter Kotwasser. Die Wirbelsäule befindet sich in Extension, das Pferd zeigt einen Senkrücken.

Bei der Untersuchung zeigt das Pferd keinerlei Reaktionen auf den Diagnosepunkt des Funktionskreises der Lunge. Dafür reagiert er jedoch auf die Punkte von Herz, Zwerchfell und Milz sehr deutlich. Die Ting-Punkte weisen eine Leere im Zustimmungspunkt des Herzens auf.

Und auch bei der Testung des Gürtelgefäßes zeigt das Pferd deutlich, dass hier eine Blockade vorliegt. Ist das Gürtelgefäß blockiert, reagiert das Pferd z.B. empfindlich bei Berührung der Hüfthöcker. Beim Laufen scheint es so, als würde die Hinterhand nicht zur Vorhand passen. Und auch Kotwasser kann durch ein gestautes Gürtelgefäß entstehen.

So wurde in der ersten Behandlung zunächst das Gürtelgefäß entstaut. Außerdem wurde die Kastrationsnarbe entstört. Diese liegt auf dem Konzeptionsgefäß, welches einmal mittig entlang der Bauchnaht verläuft. Brandzeichen sorgen übrigens ebenfalls gerne für Störungen des Energieflusses in Meridianen, weshalb diese sowie andere Narben grundsätzlich auch entstört werden sollten.

Nach eingehender Untersuchung lautet die Diagnose für das Pferd: Herz-Qi-Mangel.

Das Koppen deutet auf eine Störung im Bereich des Funktionskreises Herz hin. Weitere Symptome, die für den Herz-Qi-Mangel sprechen, sind Atemnot unter Belastung, Müdigkeit und Erschöpfung sowie spontanes Schwitzen. Und auch, dass die Symptome hauptsächlich im Sommer auftreten, ist ein Zeichen dafür, dass das Element Feuer, zu dem der Funktionskreis des Herzens gehört, im Ungleichgewicht ist.

Der Herz-Qi-Mangel kann entstehen, wenn das Pferd unter chronischen Erkrankungen leidet, was bei dem Patienten bedingt durch sein RAO der Fall ist. Außerdem kann er durch starke Blutungen entstehen, aber auch im hohen Alter sowie durch eine Nieren- oder Gallenblasen-Qi-Schwäche.

Wie kommt es nun, dass das gesundheitliche Hauptproblem des Pferdes die Atemwegserkrankung ist, aber der Funktionskreis der Lunge keine direkte Störung anzeigt? Um diese Frage zu beantworten, muss man einen Blick auf die Wechselbeziehungen zwischen den fünf Elementen werfen. Zu jedem Element gehören zwei bzw. vier Funktionskreise:

Fünf Elemente TCM Pferd

Die Elemente stehen in unterschiedlichen Beziehungen zueinander.

Zum einen gibt es den Hervorbringungs-Zyklus. Dabei wird davon ausgegangen, dass ein Element das nächste hervorbringt. Aus Holz kann Feuer gemacht werden, die Erde entsteht aus dem verbrannten Holz. Aus der Erde werden Metalle gewonnen, Metalle werden bei hohen Temperaturen wieder flüssig und lassen Wasser verdampfen.

Hervorbringungszyklus TCM

Eine andere Bezeichnung für diesen Zyklus ist der Mutter-Kind-Zyklus. Das Holz bringt das Feuer hervor, das Feuer die Erde, die Erde ist die Mutter des Metalls, das Metall ist die Mutter des Wassers.

Nun können innerhalb dieses Zyklus Pathologien entstehen. Eine Form dieser Pathologie erkennen wir anhand des Fallbeispiels: Der Funktionskreis Herz und damit das Element Feuer weist eine Leere auf. Durch diese Leere kann das Kind des Feuers, die Erde, nicht mehr richtig genährt werden. Deshalb weist auch dieser Bereich innerhalb der Untersuchung ein Ungleichgewicht auf. Das Pferd wirkt sehr in sich gekehrt und ist eher lustlos, was typische Merkmale für ein Ungleichgewicht der Milz sind. Die Erde ist wiederrum die Mutter des Metalls. Da die Erde zu wenig Energie durch das Feuer erhält, zieht sich dieses Muster bis zum Element Metall und dem Funktionskreis von Lunge fort.

Liegt also in einem Element ein Mangel bzw. eine Leere vor, so setzt sich diese gemäß des Hervorbringungszyklus in weiteren Elementen fort. Je nachdem, wie lange ein Ungleichgewicht besteht, sind also mehr oder weniger Elemente betroffen.

Die TCM stellt die Elemente über verschiedene Theorien miteinander in Verbindung. Neben dem genannten Hervorbringungszyklus gibt es auch den sogenannten Kontrollzyklus. Dabei ist es so, dass ein Element sein Enkelkind kontrolliert. Das Holz kontrolliert also die Erde, das Feuer kontrolliert das Metall usw. Diese Kontrolle ist notwendig, damit jedes der Elemente in seiner Balance bleibt. Auch hier kann es zu Pathologien kommen. Diese zeigen sich im sogenannten Verachtungszyklus: Ist ein Element zu schwach, so bekommt das Enkelkind zu viel Macht, da es durch das Großmutter-Element nicht mehr ausreichend genährt werden kann. Ein Beispiel: Das Feuer-Element ist geschwächt. Dadurch wird das Enkelkind, Metall, zu stark und überwindet die Kontrolle durch das Feuer. In der Praxis zeigt sich dies zuerst über eine Leere in einem Element. Das Pferd zeigt also z.B. Erschöpfung, chronische Erkrankungen, blasse Schleimhäute oder Kälteempfindlichkeit. Wird auf dieses Ungleichgewicht nicht reagiert, entstehen dann akute Fülle-Erkrankungen im Enkelkind-Element.

Ein Beispiel: Das Herz-Element befindet sich im Mangel, das Pferd zeigt sich müde, erschöpft und unmotiviert, es kommt zu Symptomen wie z.B. beim Herz-Qi-Mangel beschrieben. Als Folge entsteht eine Fülle im Element Metall: Das Pferd könnte z.B. einen akuten Atemwegsinfekt entwickeln.

Kontrollzyklus TCM

Was sagt uns das nun für eine Behandlung nach den Grundsätzen der TCM?

Würde nur das Atemwegsproblem behandelt, könnte dem Pferd zwar kurzzeitig eine Erleichterung verschafft werden, langfristig jedoch würden die Probleme immer wieder auftreten, da die Ursache nicht behandelt wurde. In diesem Fall heißt es, das Element Feuer zu stärken, damit dieses wieder mehr Energie an sein Kind und Enkelkind weitergeben kann.

 

Fallbeispiel 2

Stute, 14 Jahre alt, ebenfalls an chronischen Atemwegsproblemen erkrankt.

Die Stute hat im letzten Jahr durch mangelnde Bewegung und zu viel Weide enorm zugenommen. Wo sie sonst hauptsächlich am Jahresanfang hustet, ging es ihr über den Sommer beinahe durchgehend schlecht. Schon immer zeigte sich die Stute in der Übergangszeit zwischen Sommer und Herbst sehr schwerfällig und unmotiviert. Grundsätzlich besitzt sie eher gemäßigtes Temperament und benötigt eine lange Lösungsphase, um richtig in Schwung zu kommen.

Bei der Untersuchung reagiert sie auf die Zustimmunspunkte von Milz und Magen, vom Zwerchfell und von der Leber.

Aufgrund des beschriebenen Verhaltens ist von einem Leere-Zustand auszugehen. In diesem Fall ist das Element Erde und die dazugehörigen Funktionskreise von Milz und Magen betroffen.

Übergewicht bringt in erster Linie den Funktionskreis der Milz aus dem Gleichgewicht. In der TCM geht man davon aus, dass sich Feuchtigkeit und Schleim ansammeln.

Betrachtet man die Beziehungen der Elemente, so erkennt man, dass das Element Metall das Kind der Erde ist. Da sich das Erd-Element in einem Mangel befindet, kann es sein Kind nicht ausreichend nähren und mit Energie versorgen. Aus diesem Grund tritt die Atemwegsproblematik nun zu einer für das Pferd ungewöhnlichen Zeit auf.

Durch Akupunktur wird der Funktionskreis der Milz gestärkt. Ebenso wird durch eine Umstellung des Futters sowie einem Bewegungskonzept dem Übergewicht entgegengearbeitet.

Die TCM strebt ein ganzheitliches Behandlungskonzept an. So können zwar mit Hilfe der Akupunktur Symptome gelindert werden, jedoch Bedarf es oft mehrerer Bausteine, um das Wohlbefinden des Pferdes nachhaltig zu steigern. So kann der Rücken des Pferdes aus Beispiel 1 zum Beispiel durch ein Trainingskonzept aufgebaut werden, um die Atmung langfristig zu erleichtern. Das Pferd aus Beispiel 2 benötigt einen individuellen Futterplan, damit überschüssige Pfunde verloren gehen.

Nicht umsonst besteht die TCM aus insgesamt fünf Säulen, die bei der Behandlung Hand in Hand greifen.

Fazit:

Das Wissen über die unterschiedlichen Verbindungen der Elemente zueinander hilft Dir dabei, die Ursache für die gesundheitlichen Probleme Deines Pferdes zu finden.

  1. Überlege zunächst immer, mit welchen Symptomen die Problematik des Pferdes angefangen hat: War es ein Übergewicht? War es Koppen oder Headshaking? War es vielleicht nur eine starke Erschöpfung zu einer bestimmten Jahreszeit? Trete also immer erstmal von den aktuellen Problemen zurück und überlege, wann Dir das erste Mal etwas besonderes aufgefallen ist. Oft hat man als Pferdebesitzer ja auch das berühmte „Bauchgefühl“, dass einem sagt, dass es etwas nicht stimmt. Das sind dann vielleicht Eigenschaften, die keinem anderen auffallen. Die aber dennoch nicht zu vernachlässigen sind.
  2. Ordne diese Eigenschaften aus Sicht der TCM ein. Anhand der Symptome kannst Du überprüfen, in welchem Element ein Ungleichgewicht vorliegt. Wenn Du nun dieses Element unterstützt, kannst Du die Ursache für Erkrankungen und Unwohlsein beseitigen.
  3. Male Dir die verschiedenen Zyklen auf oder nehme eine Grafik zur Hilfe. So hast Du die verschiedenen Beziehungen auf einen Blick vor Dir und erkennst Ursache-und-Folge-Ketten. Durch Klick auf den folgenden Link kannst Du Dir beide Zyklen kostenlos herunterladen und ausdrucken: Zyklen

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Vor Ort unterstütze ich Dich gerne dabei, Dein Pferd ins Gleichgewicht zu bringen. Dazu bin ich mit meiner mobilen Praxis für Traditionelle Chinesische Medizin im Umkreis von 40 km um 52355 Düren unterwegs. Zu meinem Angebot vor Ort.

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